Ahlers Pro Arte lädt ein zur Ausstellung “Fetische des Blicks”

Feti­sche des Blicks
Mode und Verführung
11. Sep­tem­ber 2021 – 16. Janu­ar 2022

Bit­te infor­mie­ren Sie sich vor Ihrem Aus­stel­lungs­be­such im Inter­net über die aktu­el­len Zugangs­be­stim­mun­gen: www​.ahlers​-pro​ar​te​.de

Öff­nungs­zei­ten: Frei­tag bis Sonn­tag 12–17 Uhr
Füh­run­gen: jeden Sams­tag 15 Uhr
Kata­log: 15 €, erhält­lich bei der Stif­tung Ahlers Pro Arte

Mode geht heu­te – auch als Fol­ge des gewach­se­nen Wohl­stands – längst über unse­re rein funk­tio­na­len Bedürf­nis­se hin­aus und ist tief mit unse­rem All­tag ver­wo­ben. Die Stra­te­gien der Ver­füh­rung in Gestal­tung und Ver­mark­tung wer­den immer raf­fi­nier­ter und stat­ten Klei­dung und Acces­soires mit einer emo­tio­na­len Qua­li­tät aus, wodurch sie viel mehr wer­den als blo­ße Mit­tel zum Zweck.

Um die kom­ple­xe Bezie­hung zwi­schen den Men­schen und ihrer Ding­kul­tur zu erfas­sen, ist der Begriff „Fetisch“ zu einem Schlüs­sel­be­griff gewor­den. Ursprüng­lich wur­de er um 1750 im reli­gi­ös-eth­no­lo­gi­schen Kon­text ent­wi­ckelt, um Ritua­le in afri­ka­ni­schen Stam­mes­kul­tu­ren zu beschrei­ben. Im 19. Jahr­hun­dert wur­de er dann in einen neu­en Kon­text über­tra­gen und in dem Gespinst von Wün­schen und Pro­jek­tio­nen ver­or­tet, das sich in die Kon­sum­welt ein­schrieb, als die Kauf­häu­ser zu Kathe­dra­len der Waren wur­den. Bereits Karl Marx warn­te in Das Kapi­tal (1867) vor ihren ver­füh­re­ri­schen Illusionen.

Heu­te cha­rak­te­ri­siert der Begriff vor allem die Art und Wei­se, wie sich Men­schen von mys­tisch auf­lad­ba­ren Gegen­stän­den aus ihrer Lebens­welt fas­zi­nie­ren las­sen. Denn es ist die Mys­ti­fi­ka­ti­on und Emo­tio­na­li­sie­rung, die den beson­de­ren Reiz und die „Erleb­bar­keit“ von Din­gen aus­macht. Die ihnen zuge­schrie­be­ne über­hö­hen­de Bedeu­tung im Sin­ne von Exklu­si­vi­tät, Schön­heit oder Macht hat sich längst zu einem wesent­li­chen Antrieb der Kon­sum­ge­sell­schaft ent­wi­ckelt und ist seit den 1960er Jah­ren auch zum The­ma in der bil­den­den Kunst geworden.

Künstler*innen eig­nen sich die Ding­kul­tur der erfül­lungs­ver­hei­ßen­den Schein­welt an und trei­ben ihren Anbe­tungs­cha­rak­ter auf die Spit­ze, sie ent­schlüs­seln die Stra­te­gien von Ver­mark­tung und Ver­füh­rung, erschaf­fen Sinn­bil­der oder kon­fron­tie­ren ihr Publi­kum mit dem eige­nen Überfluss.

Die Aus­stel­lung, kon­zi­piert und kura­tiert von Wieb­ke Hahn, the­ma­ti­siert die Mys­ti­fi­zie­rung und kul­ti­sche Über­hö­hung als gro­ße Spiel­wie­se der Mode­welt. Sie hin­ter­fragt das Span­nungs­ver­hält­nis zwi­schen der den Din­gen zuer­kann­ten Geschich­te und ihren Besitzer*innen, erkun­det, wie Objek­te Bedeu­tung kon­sti­tu­ie­ren, und macht Mode als ein zen­tra­les Ele­ment unse­rer thea­tra­len Kul­tur erfahr­bar. Die Aus­stel­lung fokus­siert sich bis auf weni­ge Aus­nah­men auf Wer­ke aus der ahlers collec­tion. Anhand von Arbei­ten von der frü­hen Moder­ne bis in die Gegen­wart ermög­licht sie eine viel­fäl­ti­ge Aus­ein­an­der­set­zung mit lebens­prak­ti­schen Feti­schen aus den Berei­chen der Reli­gi­on, des Aber­glau­bens, der Waren- und Geld­kul­tur sowie der Ero­tik und Sexua­li­tät. Wer­ke der Objekt­kunst, der Foto­gra­fie, der Zeich­nung und der Male­rei geben Denk­an­stö­ße im Hin­blick auf die Thea­tra­li­sie­rung der Waren­welt und unse­re Ver­stri­ckung darin.

Die Schau fin­det in Koope­ra­ti­on mit dem Mar­ta Her­ford statt, das zur glei­chen Zeit mit der Aus­stel­lung „Look! Ent­hül­lun­gen zu Kunst und Fashion“ ande­re Facet­ten die­ses viel­schich­ti­gen The­mas beleuchtet.

Die rund 60 Expo­na­te stam­men über­wie­gend aus der ahlers collec­tion und wer­den durch ein­zel­ne Leih­ga­ben ergänzt. Zu der Aus­stel­lung erscheint ein Kata­log, der in der Stif­tung Ahlers Pro Arte erhält­lich ist.

Beglei­tend zu der Aus­stel­lung fin­den zwei Abend­ver­an­stal­tun­gen statt (Anmel­dung erforderlich):
– 22. Okto­ber 2021: Vor­trag von Prof. Dr. Bar­ba­ra Vinken
– 26. Novem­ber 2021: Vor­trag von Wolf­gang Ullrich
Nähe­re Infor­ma­tio­nen zu den Ver­an­stal­tun­gen fin­den Sie zu gege­be­ner Zeit auf der Inter­net­sei­te der Stif­tung Ahlers Pro Arte.